„Es ist selten, dass sich ein Implantathersteller so aktiv mit einem Problem wie der Periimplantitis auseinandersetzt“, stellte Dr. Ali-Reza Ketabi, niedergelassener Implantologe aus Stuttgart, in seinem Beitrag im PIN-Forum fest. Diagnostische, therapeutische und prophylaktische Aspekte der Periimplantitis standen im Mittelpunkt dieses Forums, getreu dem PIN-Motto: „Praxisrelevant – informativ – nützlich“. Prof. Dr. Michael P. Christgau, apl. Professor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität Regensburg und Inhaber einer Gemeinschaftspraxis in Düsseldorf, wies in seinem Vortrag „Implantattherapie im parodontal vorgeschädigten Gebiss“ zunächst darauf hin, dass durch die demographische Entwicklung immer mehr ältere Patienten Implantate nachfragten. Dadurch würden systemische Risikofaktoren und parodontale Vorerkrankungen zahlenmäßig ansteigen. Er betonte, dass eine Restbezahnung erst parodontal zu sanieren sei, bevor Implantate gesetzt werden könnten.
Diagnose und Therapie der Periimplantitis
Der Differentialdiagnose widmete sich Prof. Dr. Andrea Mombelli, Leiter der Abteilung für Parodontologie und Orale Pathophysiologie an der Zahnmedizinischen Klinik der Universität Genf. Er prägte den Begriff der „Zementits“, bei der verbleibende Zementreste zu ähnlichen Symptomen führten wie bei der Periimplantitis. Mombelli differenzierte die leichte (Taschenbildung > 4 mm, Knochenverlust < 2 mm) und die fortgeschrittene Periimplantitis (Taschenbildung > 5 mm, Knochenverlust ≥ 2 mm). Bei beiden sei die Gabe von Metronidazole mit Amoxicillin neben der mechanischen Reinigung und Desinfektion Therapie der Wahl. Ali-Reza Ketabi würdigte dann kritisch die Astra Tech-Broschüre und Therapieempfehlung „Prophylaxe in der dentalen Implantologie“. Er forderte generell mehr wissenschaftliche Leitlinien, unterstrich aber die Kompetenz der Broschüre für die praktische Arbeit. Der ärztliche Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Ulm, Prof. Dr. Ralph G. Luthardt, setzte sich mit Strategien zur Vermeidung der Periimplantitis auseinander. Er betonte die Rolle der umfassenden Patientenaufklärung, insbesondere bei Parodontalerkrankungen, und sprach von einer „schwachen Evidenz, dass Frühversorgung keine negativen Auswirkungen bei der Periimplantitis hat“.
Das PIN-Forums war maßgeblich von PEERS-Mitgliedern unter dem Vorsitz von Prof. Stefan Haßfeld (Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum Dortmund gGmbH und Universität Witten/Herdecke) gestaltet worden und wurde von Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, dem Direktor der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie der HSK, Dr. Horst-Schmidt Kliniken Wiesbaden, moderiert.
Der neue Premium Partner des Deutschen Zahnärztetags
Der Nachmittag stand im Zeichen patientengerechter Versorgungsalternativen. Zunächst aber grüßten Dr. Jörg Nosek, Geschäftsführer der Astra Tech GmbH, Dr. Karsten Wagner, Direktor Dental der Astra Tech GmbH, und Dr. Giesbert Schulz-Freywald, der Vizepräsident der Landeszahnärztekammer Hessen, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen und verbanden dies mit einer Einladung zum Deutschen Zahnärztetag 2010 in Frankfurt. Seit diesem Jahr ist Astra Tech dort Premium Partner und als Produktionspartner an der Uraufführung des Filmes „Kommunikation der Zellen“ zur Eröffnung des DZÄTs beteiligt. Nosek und Wagner wiesen auch auf die kontinuierliche und evolutionäre Produktentwicklung des Astra Tech Implantat System™ hin. Eine der neuesten Entwicklungen sei OsseoSpeed™ TX, eine Kombination der erfolgreichen OsseoSpeed™-Oberfläche mit den Vorteilen eines wurzelförmigen Apex.
Patientengerechte Versorgungsalternativen
Das Wissenschaftsforum unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Torsten Reichert, dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität Regensburg, thematisierte zunächst die „Suffiziente Planung und minimalinvasive Techniken als Grundlage für ein erfolgreiches Gesamtergebnis“ (Vortrag Dr. Dr. Rainer S. R. Buch, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie in der Burgstraße, Wiesbaden). Buch erklärte, man müsse „minimalistisch und atraumatisch denken“, auch bei der Zahnentfernung. Dies sei die beste Atrophie-Prävention.
„Chirurgische und prothetische Behandlungskonzepte unter Einsatz moderner Verfahren“ beschrieb Prof. Dr. Christoph Hämmerle, Direktor der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde ZZMK an der Universität Zürich, in seinem Vortrag. Die Behandlungsoptionen würden durch den Einsatz der Computer deutlich erweitert, „wir stehen an der Schwelle einer Revolution“. Auch komplexe anatomische Verhältnisse könnten nun minimalinvasiv versorgt werden, und die 3D-Bildgebung sei ideal für hochästhetische Fälle. Dennoch entstünden auch neue Quellen der Ungenauigkeit, z.B. durch Software-Probleme oder Übertragungsfehler. Dr. Helmut Steveling, Fachzahnarzt für Oralchirurgie im Implantarium Gernsbach, stellte dann „Die Verwendung von kurzen Implantaten – Minimalinvasive chirurgische Techniken“ vor. Eine Auslenkungsmöglichkeit sollte im Knochen gegeben sein, was bei kurzen Implantaten eher der Fall sei als bei langen. Kurze Implantate hätten in Studien sehr gewonnen, stellte Steveling fest. Er prophezeite, dass sich „in zehn Jahren die kurzen Implantate wesentlich erfolgreicher darstellten als lange“. Prof. Dr. Peter Pospiech, Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde am Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar, stellte sich der Frage der „Abutmentgestaltung: Konfektion oder Maßanzug?“. Sein Resümee: „Der Wunsch nach perfekt aussehenden Zähnen führt zu patientenindividuellen Abutments“.
Vergabe der zweiten PEERS-Förderpreise
Im Mittelpunkt der Abendveranstaltung stand die festliche Preisverleihung der PEERS-Preise 2010. Vier Wissenschaftler und ein Zahntechniker wurden für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Implantologie ausgezeichnet. Den Preis für die beste Dissertation („Evaluation unterschiedlicher Methoden der indirekten Sinusbodenelevation für Elevationshöhen von 10 mm – Eine experimentelle ex-vivo-Studie“) ging an Dr. Dr. Florian Stelzle aus Erlangen, die beste Fallpräsentation hatte Dr. Robert Nölken aus Mainz / Lindau eingereicht, der die Sofortimplantation, Sofortrekonstruktion und Sofortversorgung beim Defekt oder Verlust der fazialen Knochenlamelle beschrieben hatte. Dr. Christian Mertens, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie in Heidelberg, erhielt den Preis für das beste Poster zum Thema „Long-term follow-up on short implants“, während Dr. Constantin von See für die Publikation ausgezeichnet wurde, in der er seine Forschungsergebnisse zur Knochenaugmentation mit zunächst vorgedehnter Schleimhaut beschrieb. Der frisch gebackene Zahntechnikermeister Johann Bigalke konnte sich mit seiner Meisterarbeit beim PEERS-Implantat-Prothetik-Preis durchsetzen, der von der Klaus-Kanter-Stiftung ausgeschrieben und verliehen wird.
Preisträger PEERS Förderpreise 2010
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Zweiter Höhepunkt des Abends war die Übergabe eines Schecks über 10.000 Euro an die KiO (Kinderhilfe Organtransplantation e.V.), den die Olympiasieger Klaus Wolfermann und Hartwig Gauder entgegennahmen. Astra Tech unterstützt damit zusammen mit dem Kooperationspartner PVS-MEFA Reiss GmbH den Verein, der transplantierte Kinder und deren Familien unterstützt.
Schwerpunkt „Praxis“
Der Sonntag war praktischen Übungen und vertiefenden Vorträgen mit besonderem Praxisbezug vorbehalten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten aus elf verschiedenen Workshops auswählen, die teilweise doppelt stattfanden, um möglichst vielen die Gelegenheit der Teilnahme zu geben. Eine Neuerung war die Arbeit am Schweinekiefer und -ohr. Hier konnten praktische Erfahrungen zu Schnittführungen und Nahttechniken in der Implantologie (Prof. Dr. Dr. Torsten Reichert, Dr. Dr. Johannes Meier, Dr. Josè Castro-Laza, alle Regensburg) und zum periimplantären Weichgewebemanagement (Dr. Dr. R. S. R. Buch, Dr. Dr. C. Küttner, beide Wiesbaden) gesammelt werden.
Praktischen Aspekten der implantologischen Behandlung widmeten sich auch Dr. Ali-Reza Ketabi („Atlantis™-Fallbeispiele unter Berücksichtigung diverser Schleimhaut-Austrittsprofile“) und Dr. Gerd Körner, Fachzahnarzt für Parodontolgie aus Bielefeld („Ästhetische Behandlungsergebnisse bei parodontaler Erkrankung“). Prof. Andrea Mombelli vertiefte seinen Vortrag vom Vortag mit praktischen Beispielen und „Empfehlungen zum Umgang mit Periimplantitis“. Viele Workshops waren sowohl für Zahnärzte als auch Zahntechniker konzipiert, so dass ein interdisziplinärer Austausch möglich war. Dazu gehörte die Diskussion „2D vs. 3D-Planung“ durch Dr. Till Gerlach, Fachzahnarzt für Oralchirurgie aus Oppenheim und Björn Roland, ZTM aus Klein-Winternheim. Volker Wagner, ZTM aus Marburg gab „Tipps für die spannungsfreie Passung“ und Olaf van Iperen, Dipl.-Zahntechniker aus Wachtberg, referierte über die patientenindividuellen Abutments Atlantis™. Er zeigte deren Vorteile auf und wies sie als wirtschaftlich und rationell für Praxis und Labor aus.
PD Dr. Dr. Eduard Keese, Arzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Plastische Gesichtsoperationen, Implantologie, Oralchirurgie aus Braunschweig, berichtete aus seiner Erfahrung, wie auch anatomisch einschränkende Faktoren optimiert werden könnten, um einer Implantatversorgung die besten Chancen zu geben. Siegfried Hoelzer konnte mit Hands-on-Übungen am Modell das Indexing nach einer Implantatinsertion vermitteln, um die Einheilzeit sinnvoll zu nutzen. Der Betreuung und Nachsorge von Implantatpatienten im Rahmen der Individualprophylaxe ging schlussendlich Dr. Jörg Liebscher, MSc. Parodontologie aus Koblenz, nach.
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