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Wissenschaftliche Artikel lesen...und kritisch betrachten

Eine Checkliste zum (kritischen) Lesen wissenschaftlicher Arbeiten

Die kritische Lektüre klinischer und wissenschaftlicher Arbeiten verrät viel über die Qualität und Striktheit der zugrunde liegenden Studien und Beobachtungen und ihre Aussagekraft für die Praxis.

Sie sollten insbesondere auf diese Kriterien achten:

Ziel der Studie/Arbeit
Warum wurde die Studie initiiert? Hat man das Ziel auch erreicht? Das sollte in der Schlussfolgerung der Studie zu lesen sein.

Ausrichtung der Studie/Arbeit
Prospektiv oder retrospektiv? Generell gelten prospektive Studien als qualitativ hochwertiger, da die Studien-(Erfolgs-)kriterien vor Beginn der Studie festgelegt wurden.

Zahl der Studienzentren
Wie viele Praxen und/oder Kliniken beteiligten sich an der Studie? Generell sollten mindestens zwei Praxen oder Kliniken an der Studie teilgenommen haben, mit der Zahl der Studienzentren erhöht sich die Aussagekraft der Studie.

Zahl der Patienten
Wie viele Patienten wurden im Rahmen der Studie behandelt? Auch hier gilt: je mehr Patienten um so wertvoller.

Kriterien und Ausschlusskriterien für Patienten
Sind sie genau definiert?

Implantatverteilung auf Ober- und Unterkiefer 
Die Implantatanzahl muss immer unter Angabe der Verteilung auf Ober- und Unterkiefer genannt werden, da die Prognose je nachdem unterschiedlich ist. Vom Vorteil wäre außerdem eine Aufsplittung nach Implantatpositionierung im Front- und Seitenbereich.

Follow-up
Wie viele inserierte Implanate wurden in welchem Zeitraum beobachtet? Wann begann die Nachbeobachtung; nach dem Inserieren oder nach der Belastung?

Indikationen
Welche Indikationen wurden in der Studie berücksichtigt (Einzelzahn, Brücken, Vollprothesen, festsitzend oder abnehmbar)?

Belastung der Implantate
Wann wurden die Implantate belastet (sofort, früh, nach Einheilung)?

Implantatverluste
Eine Studie/Arbeit sollte sowohl die Zahl der ggf. missglückten Behandlungen als auch die Zahl der Patienten, die aus der Studie ausgeschlossen wurden (drop-outs) inklusive der Gründe, die dazu führten aufzeigen.

Erfolgskriterien
Wie haben die Autoren den Erfolg der Studie definiert? Eine möglichst präzise Definition ist unabdingbarer Bestandteil einer jeder wissenschaftlich hochwertigen Studie und Veröffentlichung.

Weitere Qualitätsparameter
Wurden die Ergebnisse verifiziert? Wurde das Knochenniveau per Röntgen überprüft? Wie wurde das Knochenniveau gemessen? Wurde der Zahnersatz entfernt, um die Knochenstabilität zu bestimmen? 

Statistische Bewertung der Erfolg- und Misserfolgraten
Eine wissenschaftliche Studie muss genaue Auskunft über die Zahl der gesetzten und die der über die gesamte Studiendauer erfassten, beobachteten Implantate geben. Sie sollte auch eine „Worst-case“-Bewertung aufweisen, d.h. eine theoretische Berechnung der Mißerfolgrate, die die im Laufe der Studie ausgeschlossenen Patienten (drop-outs) als Misserfolge berücksichtigt.

Komplikationen
Möglichst genaue Beschreibung evtl. aufgetretener Komplikationen.

Schlussfolgerung
Vergleichen Sie Zielsetzung und Schlussfolgerung. Gibt es Überschneidungen? Welche Aussage lässt die Studie zu? Welche klinische Relevanz hat die Studie für die Patientenbehandlung?